AV-views 5/2007 / Marketing Event Praxis 6/2007
Überblick behalten
Schach ist eben anders als die meisten Sportarten. Eine der Besonderheiten: Das Spielfeld ist so klein, dass es ohne weitere Hilfsmittel nur von ganz wenigen Zuschauern beobachtet werden kann. Bei einem Highlight der Schachwelt, das Mitte August in Mainz stattfand, wurde daher Medientechnik eingesetzt, um die Strategien der Meister dem Publikum und den Turnierteilnehmern zu vermitteln.
Das Chess Classic Mainz ist mittlerweile eine Veranstaltung von Weltrang. Seit Beginn im Jahre 1994 stehen 2531 verschiedene Spieler in der Rating-Liste im Schnellschach. In diesem Jahr hatte sich die Rekordzahl von 762 Spielern eingefunden. Ein Event dieser Größenordnung stellt natürlich die Veranstalter vor riesige organisatorische Aufgaben, die ohne eine präzise geplante Medientechnik nicht zu bewältigen wäre. Nun kann man wohl davon ausgehen, dass vorausschauendes, strategisches Denken einem Schachspieler im Blut liegt und so verwundert es kaum, dass schließlich alles so exakt ablief, wie in einem Uhrwerk. Eines der besonders wichtigen Rädchen war die Firma Lux AV-Technik aus Offenbach, die die komplexen medientechnischen Anforderungen meistern musste. Entsprechend den Vorgaben des Veranstalters lieferte man bis zum Start Mitte August ein maßgeschneidertes Step-by-Step-Programm, um Ablauf und Übertragung des beeindruckenden Schachturniers in der Mainzer Rheingoldhalle zu gewährleisten:
Vorgabe des Veranstalters
Zwei zuvor ausgewählte Schachspiele fanden jeweils parallel zueinander auf der Bühne des Kongresssaals statt. Diese sollten mittels Kameras im Saal auf eine Leinwand und im Foyer, VIP-Raum und Presseraum auf Plasma-Bildschirme übertragen werden.
Ohne Computertechnik läuft auch bei einem Schachturnier heute nichts mehr. So sollte neben dem Kamerabild ein computeranimiertes Schachbrett die Spielzüge anhand eines Schachprogramms nachstellen. Für die Bewertung der Spiele und die Darstellung der Ergebnisse sollen ebenfalls die Plasma-Bildschirme eingesetzt werden.
Die Kommentierung der Spiele durfte natürlich nicht über Lautsprecher erfolgen. Damit die Besucher das Geschehen aber optimal verfolgen konnten, wurden Infrarot-Kopfhörer eingesetzt. Sie boten die gewünschten Kommentare, ohne dass die Umgebung gestört wurde.
Technisches Profil
Drei Kameras befanden sich im Saal - eine für die Totale und jeweils eine pro Schachbrett. Für jedes Schachbrett standen drei Notebooks am Regieplatz hinter der Bühne zur Verfügung. Ein Notebook stellte die Spielzüge dar, das zweite zeigte die Ergebnisse an und das dritte die Bewertung. Die SIgnale der zwei Kameras, die auf die Schachbretter gerichtet waren, dienten lediglich dem "Back-up"; sollte ein Computer ausfallen, könnte sofort auf ein Kamerabild zurückgegriffen werden.
Über diverse Verteiler und Bildmischer wurden die Signale mittels lichtstarker Projektoren auf eine Rückprojektions-Leinwand (9m x 3m) und insgesamt 16 Plasma-Bildschirme, die für die Besucher, die Presse und die Veranstalter an diversen Stellen positioniert waren, übertragen.
Angesehene Schachexperten kommentierten die einzelnen Spielverläufe aus einer Sprecherkabine. Der Kommentar wurde mittels Infrarot auf die Kopfhörer der Besucher übertragen.
Planung / Durchführung
Bei der Planung war besonders die Verkabelung eine große Herausforderung. Neben den langen Kabelwegen (insgesamt wurde eine Kabellänge von 3,5 km verlegt) musste auch genauestens auf die flexible Verteilung der Signale geachtet werden. Jeweils fünf Bildschirme bildeten eine Einheit: Ein Monitor erhielt die Totale - auf zwei weiteren Monitoren wurden jeweils ein Computer-Schachbrett und auf die anderen beiden jeweils die dazugehörige Bewertung gelegt.
Im Foyer wurden neben den fünf Plasma-Monitoren noch ein weiteres Cluster mit vier Bildschirmen aufgebaut. Diese Monitore erhielten die Computerbilder, aber nicht die Totale. An zentraler Stelle über der Bühne war für alle sichtbar eine Rückprojektion installiert. Die Bewertungen der Spiele durften darauf natürlich nicht zu sehen sein. Dort wurden also nur die Computer-Schachbretter gezeigt, während die Bewertungen auf Plasma-Monitoren nur für die Zuschauer vor der Bühne sichtbar gemacht wurden.
Praktischerweise konnte man die Tiefe der Bühne nutzen, um eine Rückprojektion zu realisieren. Die Leinwand wurde ins Traversen-System der Rheingoldhalle eingebunden und die zwei Projektoren im hinteren Bereich der Bühne aufgebaut. Die Simultankabine für die Kommentatoren stand auf einer Empore im Raum. Von dort hatten die Experten gute Sicht auf die Bühne. Es standen pro Tag für 400 Personen Kopfhörer zur Verfügung.
Manpower
Dank der präzisen Planung und der langjährigen Erfahrung konnte der aufwändige Aufbau von Fachpersonal in einem Zeitfenster von acht Stunden durchgeführt werden. Während des gesamten Turniers war die technische Betreuung durch die Anwesenheit einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik sicher gestellt. Das Abmischen der verschiedenen Bilder erfolgte in Zusammenarbeit zwischen einem Techniker von LUX AV und dem Personal des Veranstalters.
Immer wieder verblüffend, wie schnell nach Ende einer Veranstaltung wieder alles aussieht, als sei nichts geschehen. Den Abbau erledigten nur vier Techniker und drei Auszubildende in kurzer Zeit.
Das Schnellschach Open gilt als eines der bestbesetzten Turniere der Welt und konnte seinem Ruf auch dieses Jahr alle Ehre machen. Doch nicht nur die hochrangige Besetzung zählte. Viele Besucher und Turnierteilnehmer äußerten sich beeindruckt von der eingesetzten AV-Technik, die allen immer den Eindruck vermittelte, mitten im Geschehen dabei zu sein und trotz der Größe der Veranstaltung den Überblick nicht vollkommen zu verlieren.
MP