PressePresseartikel Frankfurter RundschauMittwoch, 20. August 2008
Frankfurter Rundschau vom 19.08.2003
Aus der Serie "BetriebsGeheimnisse" Sie haben schon Yassir Arafat verkabelt Die Firma Lux AV-Technik rüstet unter anderem Kongresse mit Simultananlagen und Dolmetscherkabinen aus Von Nadja Henselin Wir bewegen uns täglich durch ein Gewirr von Firmenschildern. Manchmal verraten die Namen etwas über die Branche, allzu oft aber bleibt im Verborgenen, was hinter den Fassaden gearbeitet und produziert wird. Die FR öffnet für ihre Leser die Firmentore und blickt in einer Serie über heimische Wirtschaftsbetriebe hinter die Kulissen. Heute stellen wir die Offenbacher Firma Lux AV-Technik vor. OFFENBACH. "Manche Kunden wollen sich nur ein Flipchart leihen, andere wollen sich einen internationalen Kongress mit Simultananlagen und Satellitenübertragung ausrüsten lassen", sagt Birgit Sadlowski, Geschäftsführerin von Lux AV-Technik. Bei ihr in der Luisenstraße 6 sind sie alle willkommen. Ob es darum geht, Bilder auf Leinwände zu projizieren, Telefonkonferenzen zu ermöglichen oder hunderte Kongressteilnehmer zu ermöglichen per TED abstimmen zu lassen, das Offenbacher Unternehmen sorgt für die nötige Technik und die Menschen, die sie bedienen können. So wird derzeit die Schachweltmeisterschaft in Mainz mit den nötigen Anlagen ausgestattet, Hotels lassen ihre Konferenzräume versorgen oder Aktiengesellschaften präsentieren sich mit der Technik von Lux auf ihren Hauptversammlungen. Angefangen hat alles 1961 in der Taunusstraße 52 in Frankfurt. Dort eröffnete Birgit Sadlowskis Ehemann Axel das Fachgeschäft Foto Lux. Als Mitte der 70er Jahre der Preiskampf mit anderen Foto-Filialen immer härter wurde, begann Sadlowski Handel und Vermietung von Geräten und Zubehör für Film-, Video- und Diaprojektion auszuweiten. 1980 schließlich gab er das Fachgeschäft auf, Lux AV-Technik war geboren. Schon zwei Jahre später bot die Firma als erste im Rhein-Main-Gebiet die komplette Ausstattung von Simultankonferenzen mit eigens dafür entwickelten Dolmetscherkabinen an. Diese Kabinen kamen auch zum Einsatz, als Lux AV-Technik Ende der 90er Jahre für ein internationales politisches Treffen mit höchster Sicherheitsstufe die Technik stellte. Einer der damaligen Gäste war Palästinenserführer Yassir Arafat. Die Simultan- und die elektronische Abstimmungstechnik sind noch immer ein Spezialgebiet von Lux AV-Technik, auf dem sie zu den größten Anbietern der Region zählen. Inzwischen hat die Firma 18 Mitarbeiter, die bei Bedarf von freien Kräften unterstützt werden. Seit 1986 sitzt sie in Offenbach. "Uns war es in Frankfurt zu beengt, zumal wir für unsere Technik und den Fuhrpark große Lagerflächen benötigen", sagt Birgit Sadlowski. Außerdem sei die Verkehrsanbindung optimal. Seit fünf Jahren bildet der Betrieb auch aus, und zwar zum Veranstaltungstechniker. "Der Beruf existiert erst seit sieben Jahren und ist noch recht unbekannt", erklärt Sadlowski. Die jungen Leute lernen nicht nur Ton-, Bild- und Lichttechnik zu beherrschen, sie müssen sich auch in Traversen- und Bühnenbau, der Vernetzung von Computersystemen und den Feuer- und Unfallvorschriften auskennen. Derzeit hat sie fünf Azubis, ein Mitarbeiter macht seinen Meister. Eine Investition in die Zukunft, denn noch im nächsten Jahr soll es eine Verordnung geben, dass bei Veranstaltungen mit mehr als 200 Teilnehmern ein Meister für Veranstaltungstechnik vor Ort sein muss. Zwar gehören unregelmäßige Arbeitszeiten, häufig auch abends und am Wochenende, zum Alltag bei Lux AV-Technik, dafür können sich die Mitarbeiter über mangelnde Abwechslung nicht beklagen. "Unser kuriosester Auftrag kam einmal von der Organisation 'Huren wehren sich gemeinsam'", erinnert sich Birgit Sadlowski. Für die hatten sie unter strengster Geheimhaltung einen internationalen Kongress von Prostituierten ausrüsten sollen. "Aus Angst vor den Zuhältern gaben die Frauen uns erst wenige Stunden vor Kongressbeginn den Veranstaltungsort bekannt, und hinterher mussten wir die Mikros vom Make-Up reinigen". FACHKRAFT FÜR VERANSTALTUNGSTECHNIK Veranstaltungstechniker übernehmen die technische Umsetzung von Veranstaltungskonzepten in Koordination mit dem dazugehörigen Zeitplan, sie realisieren die Aufbauten und können die technischen Analgen - das Mischpult, die Lichtanalgen - bedienen und programmieren. Ob im Theater, bei Fernsehshows oder Kongressen, sie arbeiten mit Künstlern, Regisseuren und Veranstaltern zusammen und versuchen, deren Vorstellungen technisch möglichst authentisch zu realisieren. Die dreijährige Basisberufsausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik wird an der Berufsschule und im Betrieb erworben. Wer seine Lehre abgeschlossen hat, kann dann bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) seinen Meister für Veranstaltungstechnik machen oder die Prüfung zur staatlich geprüften Fachkraft nach der Veranstaltungsstättenverordnung ablegen. Die Möglichkeit zur Weiterbildung bietet auch die Technische Fachhochschule Berlin, die Diplom-Ingenieure für Theater- und Veranstaltungstechnik ausbildet. Weitere Informationen dazu gibt es bei der IHK Offenbach. hna
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